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Adaptives Graphisches Zoom
Liniengraphik-Rendering
Ein Schwerpunkt dieses Projektes lag auf der Erzeugung ansprechender
und zweckdienlicher graphischer Darstellungen aus gegebenen
3D-Modellen. Im Bereich der wissenschaftlichen Illustrationen, der
hier im Mittelpunkt stand, werden sehr häufig Liniengraphiken zur
Visualisierung geometrischer Zusammenhänge eingesetzt.
Auf dem Gebiet der Erzeugung von Liniengraphiken aus dreidimensionalen
Modellen sind am Institut für Simulation und Graphik bereits
einige Erfahrungen vorhanden. Aufbauend auf diesen früheren
Ergebnissen wird dieses Projekt weitere
Visualisierungsmöglichkeiten schaffen, die besonders auf den
Anwendungsbereich zugeschnitten sind. Dazu sind zwei Punkte von
besonderem Interesse:
- Die Darstellung der einzelnen Linien soll sich an bekannte
Illustrationstechniken anlehnen, d.h. eine Linie wird nicht
mehr als ein Kurvenzug einer bestimmten, gleichbleibenden
Breite und Helligkeit aufgefaßt.
- Die Erzeugung von Liniengraphiken aus dem Modell, wobei
hier die Art der Darstellung weit über die allgemein
bekannte Drahtgitterdarstellung hinausgehen soll.
Aus diesen Zielen entwickelten sich zwei Schwerpunkte für die
Arbeit auf graphischem Gebiet, die im folgenden kurz vorgestellt
werden.
Liniendarstellung mittels parametrisierbarer Stile
Um die Darstellung der Linien zu beeinflussen, wurde ein Modell
geschaffen, das aus den beiden Teilen Pfad und Stil
besteht. Der Pfad beschreibt dabei die Geometrie der Originallinie
(der Linie, die durch den Renderer erzeugt wurde) als Parameterkurve
durch eine Menge von Kontrollpunkten. Weiterhin können Attribute
angegeben werden, wie beispielsweise Druck oder Sättigung eines
Zeichenwerkzeuges. Diese Attribute werden auf visuelle Parameter der
Linie umgesetzt und beeinflussen so das Aussehen der Linien.
Der Stil beschreibt eine Störung des Pfades hinsichtlich
Geometrie und nicht-geometrischer Eigenschaften. Er ist ebenfalls als
attributierte Parameterkurve gegeben. Die Berechnung der letztendlich
zu zeichnenden Line erfolgt durch eine Überlagerung von Pfad und
Stil. Der Stil kann sehr vielfältig attributiert werden, um
dadurch unterschiedliche Linien zu erzeugen. Im folgenden sollen
einige einfache Beispiele die Anwendung der Stile zeigen.
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Der Pfad, der in den folgenden Bildern
mit verschiedenen Stilen gezeichnet wurde.
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Einfacher Stil, der die Breite
verändert. Der pen-angle wurde dabei der
Tangentenrichtung angepaßt.
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Einfacher Stil, der die Breite
verändert. Der pen-angle bleibt konstant
auf 30 Grad.
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Wie im Bild rechts oben, jedoch
zusätzlich Veränderung der Linienhelligkeit.
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Veränderung der Geometrie durch
den Stil. Hier wird eine geringfügige Ungenauigkeit
eingebracht (an den unteren Enden gut zu sehen).
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Anwendung von Strokes. Hier
beeinflußt die Attributierung jeden Stroke
einzeln.
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Anwendung von Strokes,
wobei die Attributierung für die Gesamtlinie
gilt.
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Bereits im Pfad kodierte Breiten- und Helligkeitsinformationen
fließen in den Überlagerungsprozeß mit ein. Dadurch
ist es möglich, Informationen aus dem 3D-Modell, wie
beispielsweise Beleuchtungsinformationen mit in die Darstellung
einfließen zu lassen. Im folgenden Bild wird die Stärke der
Linien durch die Beleuchtung mit einer Lichtquelle links oben
bestimmt. Linien in dunkleren Gebieten sind breiter. Dieser Effekt
wird sehr häufig in wissenschaftlichen Illustrationen eingesetzt.
Die Anwendung dieses Linienmodells eröffnet flexible
Möglichkeiten der Darstellung in Liniengraphiken. Das Modell aus
Pfad und Stil ist nicht nur im Zusammenhang mit liniengraphischem
Rendering einsetzbar, sondern abenfalls in strikt zweidimensionalen
Anwendungen, wie beispielsweise Zeichenprogrammen.
Für weitere Informationen siehe
[Sch97a],
[Sch97c] und
[SW98].
Erzeugung von Liniengraphiken aus 3D-Modellen - Flexibles Rendering
Neben der Darstellung von Beleuchtungsinformationen über die
Variation der Lininbreite oder -helligkeit, können noch weitere
Attribute des gegebenen 3D-Modells bzw. durch Benutzerinteraktion
festgelegte Attribute in der Visualisierung umgesetzt werden. Ein
Beispiel hierfür wäre die Kodierung von Materialinformatione
in verschiedenen Schraffuren. Für jede Darstellung
müßte ein entsprechender Renderer entworfen werden. Die
Verbindung unterschiedlicher Darstellungen in einem Bild gelingt durch
die »Montage« der so erzeugten Einzelbilder.
Eine neue Möglichkeit der Integration verschiedener
Rendering-Stiile in computergenerierten Liniengraphiken eröffnet
sich durch eine fleiblere Behandlung des Renderingprozesses an
sich. Dazu wird der Renderingvorgang als Zusammensetzung mehrerer
Teile betrachtet, die über wohldefinierte Schnittstellen
miteinander kommunizieren. Im Rahmen des Projektes wurde eine
Zweiteilung der Rendering-Pipeline betrachtet:
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Die Projektionsphase enthält die Projektion des
gegebenen 3D-Modells anhand eines entsprechenden Kameramodells,
die Bestimmung sichtbarer Kanten und Flächen sowie
Beleuchtungsberechnungen.
Als Ergebnis entsteht das sogenannte angereicherte
2D-Modell, das neben der projizierten Geonmetrie
sämtliche in der Projektionsphase bestimmten Werte
beinhaltet. Hierzu gehören auch Zwischenergebnisse,
wie die Koordinaten aller bei der Transformation verwendeter
Koordinatensysteme. Ebenfalls enthalten sind weitere
Attribute, die den Flächen bzw. Kanten des Modells
zugeordnet sind. Dazu gehören beispielsweise
Glättungsinformationen und Informationen über
den Zusammenhang der Kanten im Modell.
Das allgemeine angereicherte 2D-Modell enthält allgemein
nutzbare Daten, die in der folgenden zweitern Phase in eine
Visualisierung umgesetzt werden.
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In der Interpretationsphase werden die im
angereicherten 2D-Modell enthaltenen Daten in eine
Visualisierung umgesetzt. Dabei können unterschiedliche
Verfahren verwendet werden, die in verschiedenen graphischen
Darstellungen resultieren.
Eine vom Benutzer vorgegebene Abbildung »übersetzt«
die im angereicherten 2D-Modell enthaltenen Attribute in
Parameter für verschiedene Interpretationsmodule, die der
Projektionsphase nachgelaert sind. Die dadurch entstehenden
Darstellungen können mehrerer Rendering-Stile in sich
vereinigen. Ein Beispiel hierfür wäre die schraffierte
Darstellung wichtiger Objekte, wogegen die anderen Teile der
Szene als bloße Silhouette gerendert werden.
Die Interpretation der Modelldaten kann von der einfachen Darstellung
der Bounding-Boxes der Modellteile bis hin zur Kombination mehrerer
Stile in einer Abbildung reichen. Die folgenden zwei Beispiele zeigen
etwas ausgereiftere Anwendungen. Die Darstellungen wurden nicht durch
Überlagerung mehrerer Bider erzeugt, sondern nur durch die Anwendung
unterschiedlicher Interpretationsmodule auf ein angereichertes
2D-Modell.
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Darstellung der Oberflächenstruktur und der Lichtverhältnisse
durch Stippling. Die Umrisse der Objekte wurden entsprechend der
Beleuchtung mit unterschiedlich starken Linien angedeutet. Abbildung groß (534x398, 8 kBytes)
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Überlagerungsdarstellung; Die Umrisse der Objekte
wurden entsprechend der Beleuchtung mit unterschiedlich
starken Linien angedeutet, die Oberfläche durch
flat shading.
Abbildung groß (534x398, 40 kBytes)
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Darstellung unterschiedlicher Objektkategorien durch
verschiedene Linien. Dies entspricht einer Abbildung der
Materialattribute auf die Linienstile. Im Beispiel sind
Muskeln mit dünnn durchgezogenen Linien, Knochen gepunktet
und Bänder mit breiten, hellen Linien gezeichnet.
Abbildung groß (481x409, 10 kBytes)
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Die Auswahl der zu verwendenden Techniken kann sowohl durch direkte
interaktive Zuweisungen von Interpretationsmodulen erfolgen, als auch
über vorkonfigurierte Einstellungen. Die Parametrisierung der
Rendering-Verfahren kann interaktiv über Zoom-Algorithmen vorgenommen
werden.
Für weitere Informationen siehe
[Sch97a],
[Sch97b],
[SSSS98], und
[SW98].
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