Generierung von Diagrammeditoren mit Benutzerassistenz und Sketching-Schnittstelle

Prof. Dr.-Ing. Mark Minas (Universität der Bundeswehr, Professur für Programmiersysteme, München, Deutschland)

Donnerstag, 29. Januar 2009, 15:00 Uhr

G29-301

Deutsch/Englisch

Vortragsfolien (2.15MB)

Kurzbeschreibung

In nahezu allen Anwendungsgebieten haben sich visuelle und graphische Sprachen zur Modellierung, Repräsentation und Veranschaulichung etabliert. Anwendungsspezifische Programme zur Unterstützung dieser Aufgaben nutzen solche Sprachen, indem integrierte Diagrammeditoren die Interaktion mit den visuell graphischen Konstrukten erlauben. Bekannte Beispiele sind Analyse- und Design-Werkzeuge in der Softwareentwicklung, die vor allem die graphischen Sprachen der UML unterstützen, oder Business Process Modelling Tools im Umfeld des Geschäftsprozessmanagements. Diese Diagrammeditoren unterstützen alle mehr oder weniger dieselben Formen der Benutzerinteraktion, die auf strukturiertem Editieren und der Nutzung herkömmlicher Benutzungsschnittstellen (GUIs) basieren. Solche Editoren eignen sich sehr gut zur Übertragung zuvor auf anderen Medien - z.B. auf Papier oder Tafel - erstellten Diagrammskizzen. Für die vorausgehenden frühen Phasen des Diagrammentwurfs sind sie weniger gut geeignet. In diesem Vortrag wird mit Benutzerassistenz und Sketching-Schnittstelle auf zwei Techniken eingegangen, mit denen Diagrammeditoren in diesen frühen Phasen des Diagrammentwurfs besser eingesetzt werden können.
Herkömmliche Diagrammeditoren arbeiten modusbasiert; Benutzer können Diagramme nur aus fertigen Diagrammsymbolen mit Hilfe der Maus zusammenstellen. Diese Arbeitsweise widerspricht der von der Mehrzahl aller Anwender bevorzugten skizzenhaften Erstellung von Diagrammen in den frühen Phasen. Stattdessen ermöglicht es eine Sketching-Schnittstelle dem Benutzer, Diagramme mit einem Stift wie auf einem Blatt Papier oder der Tafel zu entwerfen und zu verändern. Die erstellten Skizzen müssen analysiert und vom Editor als Diagramme erkannt werden, damit Editoren mit Sketching-Schnittstelle als vollwertige Diagrammeditoren eingesetzt werden können. Der Vortrag stellt einen generischen Ansatz vor, der es erlaubt, die verwendete graphische Sprache formal zu spezifizieren und einen Diagrammeditor mit Sketching-Schnittstelle automatisch aus der Spezifikation zu generieren. Von Bedeutung ist dabei vor allem die Spezifikation der Sprachsyntax mit Graphgrammatiken, die die Disambiguierung ungenau gezeichneter Diagramme anhand von Kontextinformation erlaubt.
Benutzerassistenz erweitert - anders als Sketching - dagegen herkömmliche Diagrammeditoren um einfachere Interaktionsmöglichkeiten. Dazu gehört das automatische Vervollständigen von Diagrammen während der Bearbeitung, wie man es in Form sog. content assists bei Texteditoren bereits kennt. Dazu gehört aber auch die automatische Bereitstellung von syntaxkonformen Editieroperationen. Solche innovativen Ansätze finden sich vereinzelt bereits in existierenden Diagrammeditoren, doch müssen sie bislang manuell programmiert werden. Der im Vortrag vorgestellte Ansatz basiert ebenfalls auf einer formalen Sprachspezifikation mit Graphgrammatiken, die eine automatische, syntaxkonforme Benutzerassistenz ermöglicht.

Vita

Mark Minas hat an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Informatik studiert und mit dem Diplom abgeschlossen. Anschließend promovierte er dort zum Dr.-Ing. Seine Habilitation erfolgte im Jahr 2000 in praktischer Informatik. Bis 2002 hat er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet. 1993/94 war er als Postdoktorand am International Computer Science Institute in Berkeley, Kalifornien. 2002 übernahm er an der Fakultät für Informatik der Universität der Bundeswehr München die Vertretungsprofessur für Datenbanken und Informationssysteme. 2003 wurde er auf diese Professur berufen, die dann in Professur für Programmiersysteme umbenannt wurde.